Wir haben alles unter Kontrolle! Oder?
- Martin Goebel

- 20. Jan. 2022
- 3 Min. Lesezeit
„Der freie Mensch lebt notwendigerweise in Ungewißheit. Der bewusste Mensch lebt zwangsläufig mit Zweifeln.“

Erich Fromm (1900 – 1980)
Egal ob persönliche Ziele, Veränderungswünsche oder Change Management im Unternehmen: Du hast viel nachgedacht und bist zu einem Ergebnis gekommen.
Du hast deine ToDo-Liste, deinen Masterplan oder zumindest eine Vorstellung davon, wie es werden soll. Du hast auch gute Argumente gesammelt und bist dir selber ziemlich sicher, dass das der richtige Weg ist. Und dann hast du Kontakt mit der Realität - in Form von eigenen und fremden Widerständen.
Haben die Kritiker doch recht? Habe ich das wirklich gut durchdacht? Lohnt sich die Mühe? Ist die alte Situation nicht doch tragbar und will ich zu viel? Habe ich überhaupt das Recht dazu, solche Forderungen (ans Leben) zu stellen? Was sind die Konsequenzen? Was ist, wenn…?
Gerade dann ist es wichtig zu erkennen, dass wir ohnehin keine echte Kontrolle über unser Leben und die Auswirkungen unseres Handelns haben. Wie können wir in der Komplexität unserer Welt wissen, was morgen, nächste Woche oder in einem Jahr aus unserem Handeln wird? Niemand kann das. Und trotzdem gilt es, eine eigene Antwort auf die Herausforderungen des Lebens zu finden.
Wir können nur das Not-wendige tun. Und den Dingen ihren Lauf lassen.
Und trotzdem versuchen wir immer wieder, die absolute Kontrolle zu bekommen oder zu erhalten. Wir sind süchtig danach und glauben, dass Kontrolle nicht nur möglich, sondern auch absolut entscheidend für das Erreichen des gewünschten Ergebnisses sei. Und manchmal brauchen wir die Kontrolle, um unsere Ängste und Sorgen im Griff zu behalten und in der Illusion zu leben, alles im Griff zu haben. Manchmal klappt das, manchmal nicht. Der Preis ist allerdings immer hoch.
Unsere Versuche führen zu einem Phänomen, dass du vielleicht auch kennst: Wenn du dich entschieden hast, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln und es klappt nicht, was dann? Oft wird der innere Kritiker aktiviert, der im Hintergrund darauf lauert, uns zu sagen, wie unfähig wir sind, zu nichts zu gebrauchen („mach doch mal was richtig!“). Es droht eine Abwertungsspirale mit entsprechend negativen Gefühlen.
Oder kommen Sätze wie „da geht noch was“, „das kannst du besser“, „geht nicht, gibt´s nicht“? Das sind Glaubenssätze, die dazu führen, das Gleiche mit mehr Einsatz zu tun. Oft mit dem gleichen negativen Ergebnis! Also müssen wir nochmal was drauflegen… Woran könnten wir uns auch festhalten, wenn wir nicht zu glauben bereit wären, dass wir durch unser Tun unser Leben positiv beeinflussen können?
Abgesehen davon, dass dies auch ein gesellschaftliches Problem ist (davon mehr an anderer Stelle) führt dies schnell zu hektischer Betriebsamkeit, unüberlegtem Aktivismus und demonstrativen Machteinsatz, angeheizt durch innere Unruhe und einer gefühlten Verpflichtung oder Verantwortung. Unsere Glaubenssätze („gut ist nicht gut genug“) verlangen nach schnellen und perfekten Lösungen und zu einer Leistungsbereitschaft, die keine Grenzen mehr kennt. Wo Grenzen nicht erkannt und eingehalten werden, leidet allerdings das Gefühl von Stimmigkeit und Sinn.
Grenzen-loses Handeln führt in die Halt-losigkeit!
(kleiner Hinweis: Mehr zum Thema „Grenzen“ hier)
Solange diese Mechanismen unbewusst bleiben, sind wir Spielball der Erwartungen und Forderungen, die von außen an uns herangetragen werden oder die wir durch unsere persönlichen Erfahrungen und Sozialisierungen schon so „drin“ haben, dass wir sie vielleicht gar nicht mehr bemerken.
Sich danach zu richten kann bequem sein. Man vermeidet Konflikte und braucht keine Verantwortung für sich und das eigene Handeln zu übernehmen, denn die anderen oder die Umstände sind ja Schuld, man konnte ja nicht anders…
Für diese Haltung zahlen wir einen hohen Preis. In meinen Coachings zeigt sich oft: Wo konkrete eigene Maßstäbe fehlen, gibt es kein erreichbares Ergebnis und damit keine realistische Bewertungsbasis. Unreflektierte Maßstäbe von außen sind wie die Mohrrüben für den Esel: Immer vor der Nase, aber nie erreichbar. Und wir laufen (trotzdem) los und versuchen sie zu erreichen…
Erfülle unreflektiert die Erwartungen der anderen und du lebst das Leben der anderen!
Wenn wir unsere eigenen Gefühle, Bedürfnisse, Grenzen und Ziele kennen, sichern wir uns gegen fehlgeleitetes Anspruchsdenken ab und helfen, die eigenen Energieressourcen zu schonen und einen ganz eigenen Lebensweg zu finden – beruflich und privat! (Zum Thema "Lebensweg" schau doch mal hier)
Zeit für die Selbsterkundung ist gut investiert - auf dem Weg zur inneren Freiheit!
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P.S.: Achtsamkeit und Bewusstheit sind gute Werkzeuge um sich selbst auf die Spur zu kommen. Hier kannst du mehr erfahren!




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